Freitag, 14. Oktober 2011


Durchgeknallt - Susanna Kaysen

Mit 18 Jahren wird Susanna Kaysen von einem Arzt, der sie vorher nicht kannte und sie bloß eine halbe Stunde behandelt hat, in die psychische Abteilung des berühmten McLean Hospitals eingewiesen. Ganze zwei Jahre dauert ihr Kampf, um das Attribut 'Genesen' in Bezug auf ihre psychische Krankheit, die Borderline Persönlichkeit, in ihrer Akte lesen zu können und entlassen zu werden. 

Susanna schildert eindrucksvoll, sarkastisch und mit einer guten Portion schwarzem Humor, viele Episoden mit ihren Mitpatienten, angefangen mit der Einweisung, aufgehört mit der Entlassung und dem Wiedersehen mit manchen ihrer dort gewonnenen Freundinnen. 
Sehr begeistert war ich davon, wie mitfühlend und vor allem echt dieses Buch geschildert wurde. Man spürte das Stück Wahnsinn, das in dieser Klinik herrschte, aber auch den Lebenswillen, die Hoffnung und die Versuche ganz normal zu sein. 

Wenn man das Buch mit dem Film vergleichen möchte, ist es für meine Begriffe nicht möglich. Das Buch ist komplett anders aufgebaut und auch einige Tatsachen der Charaktere, wurden in dem Film verändert. Somit wäre die Soziopathin Lisa im Buch dunkelhaarig, im Film aber von der derzeitig gelbblonden Angelina Jolie gespielt. Ebenso weicht die bildliche Darstellung der Stationsschwester Valerie, die im Buch eine blonde Frau ist, total ab. Im Film wird diese gespielt von Whoopie Goldberg und ist somit nicht nur dunkelhaarig, sondern auch schwarz. 

Diese Tatsachen machen den Film aber gar keinen Falls schlechter. Der Film ist unglaublich gut umgesetzt, für mich persönlich ebenso, wenn nicht sogar noch viel ausdrucksvoller als das Buch selbst. Die Besetzung hätte nicht besser gewählt werden können. Whoopie Goldberg spielt eine fantastische Rolle einer Schwester, die liebevoll aber auch mit einer gewissen Strenge ihre Patienten behandelt und diese auch ernst nimmt. Angelina Jolie war die perfekte Darstellerin der Lisa. Ihre Augen drückten in diesem Film solch eine Leere aus, die einen irgendwie fesselte, aber auch ängstlich zurückließ. Sie war hart, sie war ignorant, sie war respektlos, sie legte sich gegen alles und jeden auf. Doch dahinter steckt auch ein kleiner hilfloser Kern, den sie während des Filmes selbst erkennt und der einem die Tränen in die Augen treibt. Im Buch werden diese wundervollen Momente leider ausgelassen, wobei die Frage immer bleibt: Ist das, was im Film passiert, nun auch noch biografisch oder ist es erfunden? 

Insgesamt ein tolles Werk, dass man gelesen haben sollte, wenn man den Film oder die Thematik mag. 

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