Mittwoch, 30. November 2011


Weisse Nana - Mein Leben für Afrika - Bettina Landgrafe



Daten.
Verlag: Knaur Verlag
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 288 Seiten
Genre: Biografischer Roman
Format: Gebunden
Altersempfehlung: Ab 15
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Gekauft: Rezensionsexemplar 


Die gelernte Kinderkrankenschwester Bettina Landgrafe kommt 2001 zum ersten Mal nach Ghana. Trotz des vielen Leids verliebt sie sich sofort in das Land und die Menschen dort. Was ihr dort schon beim ersten Besuch widerfährt ist aber nicht nur negativ, denn sie spürt auch bald unbändige Freundschaften, wundervollen Humor und Hoffnung. 
Bettina wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht helfen würde. Sie flog immer öfter, immer länger nach Ghana, beharrte auf den Operationen einzelner schwer verwundeter Menschen, baute dem Dorf Apewu eine Toilettenanlage und einen Brunnen, um diverse Krankheiten zu vermeiden, half und hilft immer noch an jeder Ecke und bringt die Menschen dort ihrem Glück Schritt für Schritt näher. 
Sie gründete 2007 den Verein Madamfo Ghana. Sie arbeitete ein halbes Jahr in Deutschland und verbrachte den Rest in Ghana bei ihren Leuten. Seit 2010 widmet sie sich hauptsächlich dem Verein.


Das Buch hat Bettina mit einer Autorin namens Beate Rygiert verfasst. Der Schreibstil ist so harmonisch, dass man ihn fast schon mit dem eines Romans vergleichen könnte. Man verliert sich in das Buch, sobald man es begonnen hat. Jede einzelne Zeile scheint so einen tiefen Hintergrund zu haben. Ich persönlich finde das Buch einfach nur tiefgründig und wunderschön. Wie oft habe ich vor dem Schlafengehen an die afrikanischen Kinder gedacht. Es hat mich den ganzen Tag verfolgt und ich konnte es nicht abwarten, wieder weiterzulesen. Trotz dass das Buch natürlich viele Passagen enthält, die eben vom Bau der Anlagen handeln, ist keine einzige davon trocken geschrieben. Es gehört dazu und man möchte einfach alles darüber hören. 
Ich konnte mit dem Buch lachen, ich konnte nachdenken, ich konnte traurig sein über gewisse Situationen und Ereignisse. Das Buch konnte mir einfach unglaublich viel geben. 

Erst einmal muss ich loswerden, wie froh ich bin, dass ich dieses Buch lesen durfte. Bettina hat mich mit diesem Buch den Menschen in dieser Welt ein gutes Stück näher gebracht. 
Schnell wird einem klar, wie gut wir es in Deutschland doch haben und was den Menschen in Afrika fehlt. Doch dieses Mitgefühl, was schon in den ersten Seiten erregt wird, ist keinesfalls auf trauriger Basis. Jede Passage ist mit so viel Liebe geschrieben, dass Bettina ihre Zuneigung für das Land auf den Leser überträgt und man somit ein Gefühl für das Leben dort gewinnt. 

Ich muss schon zugeben, dass ich mich vor diesem Buch, als deutsches Einzelkind, das seine Willen immer und überall durchsetzen konnte, nicht wirklich für das Land und die Menschen dort interessiert habe. Doch dieses Buch hat in mir etwas geweckt, das verborgen lag. Das Mitgefühl für Menschen, denen es an Hab und Gut mangelt. Früher sagte ich 'Was dort hinten passiert, hat ja mit mir nichts zu tun'. Heute sage ich 'Wenn ich die Möglichkeit hätte, etwas zu verändern, würde ich es jederzeit tun'. 

Ich glaube jeglicher Egoismus wird durch dieses Buch zerstört. Ich bin sogar so weit zu sagen, dass der deutsche Egoismus mir tierisch gegen den Strich geht. Jeder kümmert sich nur darum, ob das Essen richtig gewürzt ist, ob der Fernseher ordentlich funktioniert, ob die Schminke richtig sitzt und ob das Internet nicht für eine halbe Stunde ausfallen könnte. Diese Menschen dort hinten haben nichts im Vergleich zu uns. Normalerweise sollte uns das zu denken geben. Wir müssen froh sein, dass uns diese Dinge überhaupt in dem riesigen Ausmaß zu Verfügung stehen. 
Diese Herzlichkeit, die Liebe und die Freude über kleinste Dinge, die die Afrikaner mit sich tragen, sollte uns allen ein Vorbild sein. 

Ich bewundere Bettina für all das, was sie getan hat und noch tun wird. Sie gibt so viel für das Wohl dieser Menschen, dass man sie fast als Engel bezeichnen könnte. Sie ist so ein warmherziger Mensch, wie man ihn nur selten findet. Und dabei ist sie noch so weise. In diesem Buch stecken so viele Ratschläge und Weisheiten, die man annehmen kann. Doch die allerschönste Message des Buches ist für mich diese: 'Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst.'



Bewertung.
Aufmachung: 4/5
Idee der Geschichte: 5/5
Umsetzung: 4,5/5
Sprache: 4/5
Charaktere: 4/5
Unterhaltungswert: 4/5
Nachdenklichkeit: 4,5/5
Überraschungseffekte: 3/5
Bildungswert: 4,5/5
Länge/Schnelligkeit: 3,5/5

Punkte insgesamt: 41/50

5 Sterne 

Freitag, 25. November 2011


Die Insel der besonderen Kinder - Ransom Riggs



Daten.
Verlag: PAN Verlag
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 416 Seiten
Genre: Jugendfantasy 
Format: Gebunden
Altersempfehlung: 14-16 Jahre
Erscheinungsdatum: November 2011
Gekauft: Rezensionsexemplar 



Jacob ist 16 und kommt aus einem reichern Elternhaus. Doch Jacob war schon immer etwas anders, als andere Teenager. Gerne verbrachte er als Kind die Tage bei seinem Großvater, der nie davor scheute ihm tolle Gruselgeschichten zu erzählen und sie Jacob als wahr zu verkaufen. Früher glaubte Jacob seinem Großvater, doch irgendwann, je älter er wurde, tat er diese Geschichten als Märchen ab und distanzierte sich immer mehr davon. 
Doch eines Tages, als Jacob auf der Arbeit ist, ruft sein Großvater ganz aufgebracht an und bat ihm zur Hilfe zu kommen, da besagte Monster der Geschichte hinter ihm her wären. Jacob und seine Eltern waren solche Aktionen gewohnt und gaben nicht mehr viel darauf. Doch Jacob war trotzdem bereit, sofort nach dem Rechten zu schauen und bekam es auch schnell mit der Angst zu tun, denn sein Großvater war zuhause nicht mehr aufzufinden. Mit seinem besten Freund macht er sich auf in den Wald und muss sich dort einem grausamen Bild stellen. Seinem ermordeten Großvater. Entsetzt lässt er sich zu ihm hinabsinken und fragt sich, wie das passieren konnte. Und dann, plötzlich, sieht er eine grausame Gestalt hinter den Bäumen verschwinden. Jacob bekommt es mit der Angst zu tun. Wird er etwa verrückt, oder steckt doch ein Funken Wahrheit hinter den ganzen Gruselgeschichten seines Opas?
An dieser Stelle beginnt ein unglaubliches Abenteuer für den 16jährigen. Nach dem Tod seines Opas besucht er einen Psychologen, der ihm rät, die Insel zu besuchen, auf der Großvaters Geschichten angeblich wirklich stattfanden. Daraufhin reist er mit seinem Vater zu besagtem Ort und merkt sogleich, dass einiges an dieser Insel seltsam ist. 


Jacob ist von Anfang an ein sehr sympathischer Junge. Sein Charakter wirkte sehr authenthisch auf mich und eigentlich recht normal. Für seine 16 Jahre ist er sehr reif und handelt auch angemessen erwachsen. Durch eine Amazon Rezension habe ich erfahren, dass das Buch nun wohl ein Auftakt zu einer Trilogie sein soll, was mich sehr gefreut hat. Denn so kann ich mich darauf freuen, Jacob wiederzusehen und noch ein paar Abenteuer mehr mit ihm zu erleben.
Die anderen Charaktere in dem Buch sind ebenfalls gut gestaltet. Jacobs Vater war ein Mann, den ich einerseits mochte, für den ich aber nicht immer so großes Verständnis aufbringen konnte. Dazu kann ich mehr aber nicht sagen, da ich sonst schon zu viel von der Geschichte verraten würde.
Natürlich begegnen einem in diesem Buch noch einige Personen mehr, auf die ich in der Rezension allerdings nicht näher eingehen werde. Ich kann nur so viel sagen, dass euch einiges erwarten wird, positiv und negativ.

Froh war ich darüber, dass die Sprache in diesem Buch nicht jugendlich gehalten ist. Sprich, es kommt keine Umgangssprache darin vor, was sowieso nicht zu dieser Art von Geschichte gepasst hätte, und auch im Allgemeinen ist der Schreibstil doch ein wenig anspruchsvoller als so manche Jugendbücher im Fantasybereich. Dennoch ist es flüssig zu lesen und sehr anziehend geschildert. Die Sprache ist sehr bildlich, man bekommt sogleich ein Gefühl für die Umgebung und das Buch hat auch die Logik ganz auf seiner Seite.

Rundum hat mich das Buch sehr zufriedengestellt. Es wäre übertrieben zu sagen, dass es mich restlos begeistert hat, aber dennoch kann ich nicht anders, als dem Buch fünf Sterne zu verleihen.
Diese Geschichte beinhaltet einfach alles, was ich mir von einem guten, außergewöhnlichen Jugendbuch erwarte. Leider war es für meine Begriffe nicht so gruselig, wie ich es mir gewünscht hätte. Ansonsten bin ich aber wirklich mit dem Buch zufrieden und kann es kaum erwarten, Jacob wieder zu begegnen. 

Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem Buch.



Bewertung.
Aufmachung: 5/5
Idee der Geschichte: 5/5
Umsetzung: 4,5/5 
Sprache: 4/5
Charaktere: 3,5/5
Unterhaltungswert: 4/5
Nachdenklichkeit: 3/5
Überraschungseffekte: 3,5/5
Bildungswert: 3/5
Länge/Schnelligkeit: 4/5

Punktzahl insgesamt: 39,5/50

4 Sterne


Montag, 21. November 2011


Bauchgefühle sind Kopfsache - Rike Reinau

Florentine wird von ihrer großen Liebe Tobias sitzen gelassen. Immer wieder versetzt er sie, hält sie hin und kann sich nicht entscheiden. Flo ist nun an dem Punkt, an dem sie der Überzeugung ist, dass die ganze Sache nichts bringt, und zieht unter die 'Beinahe-Beziehung' einen Schlussstrich. 
Sie beschließt sich abzulenken und zieht ein wenig um die Häuser. Dabei lernt sie Philipp, den attraktiven Kellner kennen, der ihr eine Abfuhr erteilt, obwohl sie ihn überhaupt nicht angesprochen hat. Und sie lernt den Schauspieler Alexander kennen. Als sich zwischen Philipp und Florentine eine enge Freundschaft entwickelt, verliebt sich Alexander in sie. Flo steckt in einer Zwickmühle, denn ihre Gefühle machen sowieso was sie wollen. 

Florentine ist eine aufgeweckte, authentische und ehrliche Person, die man gleich auf den ersten Seiten ins Herz schließt. Viele Frauen können sich sicher mit ihr oder ihrer Situation identifizieren und ihre ganze Art ist einfach sehr erfrischend. 
Ebenso gut ist auch der Schreibstil, der aus der Ich-Fassung heraus den Charakter von Florentine ganz besonders unterstreicht und hervorhebt. 
Selbst ich als Frauenroman-Vermeider kann sagen, das Buch hat Potenzial und sollte gelesen werden. 
Gerade für Frauenroman-Liebhaber ist es ein Muss. Eine tolle Neuentdeckung. 

Die Tatsache, dass dieses Buch eine Community zum Druck ausgewählt hat, ist im ersten Moment für manche etwas skeptisch zu betrachten. Aber ich kann jeden beruhigen, das Buch ist große Klasse. 

****



Freitag, 11. November 2011


Junkgirl - Anna Kuschnarowa

Das Buch ist im Beltz Gulliver Verlag erschienen, hat 222 Seiten und kostet 12,95. 
Das Buch ist eine broschierte Ausgabe und ist ab 14 Jahren empfohlen. 

Alissa ist 15 und lebt in einem behüteten Elternhaus. Eigentlich hat sie vier Geschwister, und doch wächst sie alleine auf, da die älteren Kinder der Familie aus dem Gröbsten raus sind, als Alissa auf die Welt kommt. Allerdings werden ihr ihre Geschwister ständig als Vorbilder unter die Nase gerieben. Die Mutter passt auf, das Alissa sich anständig kleidet, ihr Vater holt sie nach der Schule ab und der Umgang mit Jungs wird Alissa auch so weit es geht verboten. Eigentlich kann sie sich für ihr Alter überhaupt nicht angemessen entfalten. Und so kommt es, dass Alissa beginnt zu rebellieren, als sie Tara kennenlernt, und aus dem bedrängendem Leben ihrer spießigen Eltern ausbricht. 
Mit Tara beginnt die beste Zeit ihres Lebens. Doch die richtigen Höhenflüge beginnen erst, als sie sich in Taras Drogengeschichte hineinziehen lässt. Dass diese Höhenflüge auch Bruchlandungen mit sich ziehen, hat Alissa nicht gedacht, und ehe sie sich versieht, steckt sie als 'Alice' in dem beschissensten Leben, dass sie sich je erträumt hätte, und verabschiedet sich von ihrem alten Ich. Denn sie für alles dafür tun, damit die Drogen nicht zwischen ihr und Tara stehen... 

Im Prinzip ähnelt die Geschichte der von Christiane F. Und doch ist es wieder ganz anders. Dieses Buch beginnt sogleich mitreißend und man wird in die bedrohlich behütete heile Welt von Alissa eingeführt, die jedes Mädchen in diesem Alter strickt ablehnen würde. Alissa fühlt sich nicht zugehörig und bezeichnet sich selbst als Alien und wird von der Familie, insbesondere den geliebten Geschwistern irgendwie in den Schatten gestellt.
Die Entwicklung, die Alissa in diesem Buch durchmacht ist unglaublich deutlich. Und trotz, dass man zu Anfang schon fast weiß, wie die Geschichte ausgehen wird, ändert das absolut nichts an dem Drang, dieses Buch zu lesen. 

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und es ist sicher für jeden Leser mindestens ein Sympathieträger dabei. Ich persönlich habe Alissa oder Alice gerne durch die Geschichte begleitet und hab, so weit es mir als Außenstehender möglich war, mit ihr mitgefühlt. 
Tara ist eine Person gewesen, der ich Anfangs einerseits mit Respekt und andererseits mit Ablehnung begegnet war. Sie ist das komplette Gegenteil von Alissa und noch dazu war sie ziemlich frech. Mit der Zeit habe ich mich an ihre etwas grobe Art gewöhnt und auch sie wurde mir etwas sympathischer. Doch ein kleiner Teil meines Herzens gehörte einer ganz anderen Person dieses Buches, und zwar Leander. Leander ist ebenfalls ein mehr oder weniger wichtiger Charakter der Geschichte und hat eine gewisse Bindung zu Tara aufgebaut, weswegen er Alissa anfangs wirklich ablehnt. Um Leander zu verstehen und um ihn zu mögen braucht man während der Geschichte ein wenig Feingefühl, aber wenn man das bekommen hat, gewinnt man in ihm einen richtigen Freund. So war es jedenfalls bei mir. 

Der Schreibstil ist anfangs unglaublich gewöhnungsbedürftig. Ich hatte nach den ersten 40 Seiten immer noch das Gefühl, dass dieses Buch mich nicht weiterbringt und wollte abbrechen. Diese dazwischengeworfenen englischen Begriffe haben mir einfach nur die Nerven geraubt und ich fragte mich, in welchem niveaulosen Ghetto ich mich eigentlich befinde. 
Doch sogleich auf den zehn weiterführenden Seiten war alles vergessen und ich war unglaublich erleichtert, dass ich weitergelesen habe. Der Stil wird so kräftig, die Atmosphäre so dicht, die Geschichte bedrückend. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass die Autorin mit diesem Buch wirklich beste Arbeit geleistet hat. Natürlich ist der Stil etwas jugendlich gehalten, eben auch durch die englischen Begriffe. Aber man gewöhnt sich recht schnell daran und am Ende ist man froh darüber, dass kann ich versprechen. 
Das einzige, was den Lesern eventuell Probleme bereiten könnte, wäre die Tatsache, dass das Buch keine Kapitel hat. Es ist eine durchgehende Geschichte mit Absätzen, die das Jetzt kurz beschreiben, die Geschichte aber nicht in Einzelteile spalten. 

Das einzige, was ich nach dem Lesen nun noch kritisieren kann, wäre die Umsetzung mancher Szenen. An sich war alles einfach perfekt gestaltet, allerdings hatte ich bis nach der Mitte des Buches das Gefühl, dass die Drogen ein richtig tolles Abenteuer sind. Mir fehlte wirklich dieser erhobene Finger, der immer wieder deutlich macht, dass Drogen einfach schlecht sind. Natürlich ist das Buch keineswegs positiv im Bezug auf Drogen beschrieben, aber ich empfand es einfach als zu euphorisch. Zeitweise habe ich mir da wirklich meine Gedanken gemacht, ob das so gut ist, wenn Kinder mit 14 Jahren dieses Buch lesen. Vielleicht würden sie sich dann auch ein solches Abenteuer wünschen. Weg von Zuhause, keine ätzenden Regeln mehr, die pure Freiheit leben, seine Grenzen austesten, mit Freunden um die Häuser ziehen und nicht mehr in die Schule gehen. Ich meine, wie schön klingt das im ersten Moment für Menschen in dem Alter? 
Doch Gott sei Dank hat sich dieses Gefühl wieder gewandelt und ich konnte das Buch beruhigt zu Ende lesen und mit gutem Gewissen abschließen und auch hier vorstellen. 
Wenn von euch das Buch jemand gelesen hat, könnte er mir seine Meinung darüber gerne mitteilen, denn es interessiert mich wirklich sehr, ob nur ich das so sah, oder ob andere diese Angst ebenfalls hatten, dass junge Menschen, das ganze etwas falsch auffassen können. 

Ansonsten war das Buch wirklich klasse. In diesen 222 Seiten steckt so viel Leben, so viel Gefühl, so viel Tragik und soviel Ableben. Ableben in dem Sinne, weil ich einfach kein besseres Wort finde, für das, was dort vor sich geht. Immer wieder ist es schockierend zu lesen oder auch zu sehen, wie Menschen sich mit Drogen kaputt machen und wie gefährlich sie wirklich sind. Es ist garantiert kein Thema worüber man scherzen sollte, oder was man auf die leichte Schulter nehmen dürfte. 
In dem Alter, in dem Alissa ist, plus die rosarote Brille, die sie trägt, ist man einfach noch nicht fähig, die Grenzen zu kennen. Aufzuhören, bevor es zu spät ist. 
Es ist ein wahnsinniger Unterschied zwischen einmal einen Joint rauchen und jeden Tag H drücken. Und doch führt alles zum selben Ende, wenn man nicht aufpasst. Alissa hat ihre Grenzen freiwillig überschritten und sich dem Elend ausgesetzt. Aus Gründen, die niemals dafür zuständig sein sollten. Und wenn man sich in der Welt umschaut, sieht man, dass es viel zu vielen Menschen so ergeht.

Ein Buch, das die Augen öffnet. Hoffentlich.

*****
  

Mittwoch, 9. November 2011


In den finsteren Wäldern - Richard Laymon



Daten.
Verlag: Festa Verlag
Preis: 12,80€
Seitenzahl: 250 Seiten
Genre: Horror
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Altersempfehlung: Ab 18
Gekauft: Rezensionsexemplar 



Fast 30 Jahre hat es gedauert, bis Laymons zweites Buch, 1981 geschrieben, ungeschnitten in Deutschland erscheint. Das Glück haben wir Laymons Tochter Kelly zu verdanken, die sich das Ziel setzte, das verstreute Manuskript zusammenzusetzen und in Originalfassung auf den Markt zu bringen. Das kann man im Vorwort dieses Buches nachlesen. 



In diesem Buch geht es in erster Linie um zwei Freundinnen, die ursprünglich einen Zelt- und Wanderurlaub in den Bergen Kaliforniens machen wollten. Durch einen Zwischenfall halten sie an einer Art Raststätte um Schreck sacken zu lassen. Doch daraufhin folgt gleich der nächste, denn die beiden werden von vier Männern abgeführt und in den Wald gebracht. Genau das passiert auch einer kleinen Familie, die in den danebenliegenden Hütten eines Motels eingecheckt haben. An Bäume gefesselt finden sich diese Menschen alle zusammen im Wald wieder. In der Dunkelheit, in der Angst... und im Revier der hungrigen Krulls.



Handlung & Stil.
Wie ihr seht, ist die Story nichts, was man nicht schon irgendwo mal gelesen oder gehört hätte. Wer Laymon liest, wird ihn sicherlich schon bald in diesem Buch wieder erkennen. Die allseits bekannten Stellen im Bereich der Sexualität wurden auch in diesem frühen Werk von ihm schon reichlich eingearbeitet, ebenso die enorme Brutalität bis ins Detail.
Ich als Fan muss aber leider sagen, dass mir das Buch nicht das geben konnte, was ich mir davon erwartet habe. Gut, wenn man bedenkt, dass das Buch bereits 1981 geschrieben wurde und meine Meisterwerke von ihm erst ab 1991 verfasst wurden, müsste man sich nicht wundern. Diese enorme Entwicklung, die Laymon in diesen zehn Jahren durchgemacht hat, ist für mich mehr als ins Auge springend. Aber davon abgesehen war die Handlung ganz in Ordnung. Wie immer war es absurd und vieles klang an den Haaren herbeigezogen. Aber das ist bei Gemetzel-Horror ja oft der Fall, das ist selbst in Filmen nicht anders. Ein bisschen hat das Buch mich an Wrong Turn erinnert. Wer diesen Film also mochte, sollte mit dem Buch hier in jedem Falle gut bedient sein.  
   Schon auf der ersten Seite gab es einiges für mich zu kritisieren und ich hoffte, dass es bloß nicht so weitergehen würde. Die erste Szene war einfach nicht ausgearbeitet und so schnell überflogen, dass es einfach nur unrealistisch rüberkam. Ich meine, wer fährt ohne zu schreien und ohne jegliche Panik einfach weiter, wenn einem gerade eine abgetrennte Hand ins Cabrio geworfen wurde? 
Tja, und genau das tun die beiden Frauen in dem Buch. Für mich persönlich gleich zu Anfang eine Stelle zum Kopfschütteln. 
   Allerdings trägt das Buch eine Welle der Spannung mit sich, die während diesen 250 Seiten nie in sich zusammenfällt. Es ist ein einziger Höllentrip, den man durchlebt, und das mit mehreren Charakteren. Die Kapitel sind, wie von Laymon gewohnt, sehr kurz und immer mit einem Cliffhanger versehen. Man begleitet zu Anfang einmal die beiden Frauen und einmal die Familie abwechselnd. 
   Zeitweise ist das Buch natürlich, wie man auf dem Klappentext schon nachlesen kann, ein wenig abgedreht. Für Horrorfans allerdings keine Neuheit, sondern ein eher bekanntes Szenario. 
Allerdings sind die Hintergründe dieses ganzen Geschehens bis ins kleinste Detail durchdacht, sodass man sich jede kleine Abnormalität erklären kann und somit am Ende kein verdutztes Gesicht übrig bleiben dürfte. 

Charaktere & Setting. 
Die Protagonisten des Buches leiden leider etwas an Charakterzügen. Natürlich findet man einen Weg sie durch Namen auseinander zu halten, allerdings würde man das nicht können, wenn sie keine hätten. Ob das im Genre Horror als 'normal' gilt, muss jeder für sich selbst entscheiden, ich allerdings bin von Laymon ein wenig mehr in dieser Hinsicht gewohnt. In den neueren Romanen hat er dies nicht so vernachlässigt.
Dafür ist die Szenerie sehr gut ausgearbeitet und man hat es bildlich vor Augen beim Lesen. Sehr düster, sehr grausam und sicherlich kein Ort, an dem man gerne sein würde. 

Sonstiges.
Das Buch ist garantiert nicht das beste von Laymon. Man merkt einfach extrem, dass sich sein Stil in den Jahren verbessert hat. Natürlich hat er das Grundgerüst seines Wiedererkennungswerts bereits gehabt, allerdings fehlten mir einige Dinge, die ich an ihm so lieben gelernt habe. 
Aber das ist eben der Nachteil, wenn man erst die neusten Werke liest, bevor man sich an die Erstlingswerke eines Autors wagen kann. 
Trotz allem hatte ich viel Spaß mit dem Buch, es war natürlich mit Spannung geladen, anders ist man es nicht gewohnt, aber empfehlen würde ich persönlich von Richard Laymon andere Werke.


Bewertung.
Aufmachung: 3/5
Sprache: 3/5
Setting: 2,5/5
Charaktere: 2/5
Unterhaltungswert: 3/5
Nachdenklichkeit: 3/5
Überraschungseffekte: 3/5
Länge/Schnelligkeit: 3/5

Punkte insgesamt: 22,5/35

3 Sterne




Samstag, 5. November 2011


Mortal Kiss - Ist diese Liebe unsterblich?
Alice Moss



Daten.
Verlag: Egmont INK Verlag
Preis: 17,99€
Seitenzahl: 352 Seiten
Genre: Jugendfantasy 
Erscheinungsdatum: August 2011
Altersempfehlung: 12-15 Jahre
Gekauft: Rezensionsexemplar 



Faye lebt in dem langweiligen Winter Mill, das aus unerklärlichen Gründen schon im September zugeschneit ist. Ihr Vater ist mit Ausgrabungen beschäftigt und ständig unterwegs, weswegen sie bei ihrer Tante Pam über der Buchhandlung wohnt. Ihre beste Freundin Liz ist das einzige Mittel gegen Langeweile. Doch das ändert sich bald, da eine Biker Gang im Wald und in der Stadt sein Unwesen treibt. Auch eine reiche Dame zieht mit ihrem Sohn in das große Anwesen am Waldrand, weswegen die ganze Stadt in Aufregung versetzt wird. Doch was die Kleinstadt richtig aus der Bahn wirft, ist die erste Leiche seit Jahrzehnten, die in ebenfalls diesem Waldstück gefunden wird. Fayes Leben scheint mit einem Mal interessant zu werden. Doch anfangs ahnt sie nicht, in welcher Gefahr sie sich bereits befindet. Bis sie eines Nachts von Wölfen gejagt wird...



Handlung & Stil.
Das Buch ist in ganz kurze Kapitel aufgeteilt, was mir persönlich das Lesen sehr erleichtert hat. Die Seiten sind an mir vorbeigeflogen und gleich von Anfang hatte ich mich in Winter Mill richtig gut eingelebt. Die Kapitel sind aus mehreren Sichten geschrieben, sodass man einige Charaktere begleiten kann. Allerdings jede nur in der dritten Person, der Erzählperspektive. Trotz allem kann man sich das Buch dadurch fast wie einen Film vorstellen, der die Perspektiven zu den einzelnen Beteiligten immer wieder wechselt. Mit jeder Seite wird das Buch unheimlicher, undurchsichtiger, die Spannung wird immer höher und die Lage verzwickter. Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass hinter diesem Buch so viel steckt. Was man erwartet, ist vielleicht eine kleine Liebesgeschichte zwischen Mensch und Irgendwas, aber es ist wirklich viel mehr. Für die Liebe an sich bleibt wirklich wenig Zeit. Man wird in einem sehr angenehmen Tempo durch die Geschichte gebracht, allerdings von einer Spannung in die nächste. 

Charaktere & Setting.
Faye und Liz sind sehr angenehme Persönlichkeiten, wobei ich zu Liz erst Ende des Buches eine Bindung aufgebaut habe. Die Spannung wird recht schnell in den ersten Kapiteln aufgebaut, als Faye und Liz ein Outfit in der neuen Boutique für die Party am Wochenende aussuchen, da ein unheimlicher Biker sie durch das Schaufenster beobachtet. 
Die Charaktere, wie auch die Szenerie sind in dem Buch wirklich gut dargestellt. Viele Menschen haben etwas Unheimliches an sich, man fragt sich wirklich bis zu einem gewissen Punkt, wer denn jetzt etwas mit den Vorkommnissen zu tun hat und wer nicht. Ich muss wirklich sagen, ich habe zeitweise an den Guten gezweifelt, weil es einfach sehr geschickt geschrieben ist, und man etwas Zeit braucht, bis man hinter steigt, wer nun auf welcher Seite steht. 
Der Schauplatz ist eine richtig tolle Kulisse geworden und hat sich vor dem Auge immer wieder neu geformt, sobald ein Detail dazukam. Wirklich ein Erlebnis.

Sonstiges.
Ich weiß nicht, wie viel oder was genau ich mir von Mortal Kiss erwartet hatte, aber es hat diese Erwartungen definitiv erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Eine Stelle hat mich sogar fast zum Weinen gebracht. Fast. Des Weiteren ist das Buch der Auftakt zu einer Trilogie, was die Frage aufwirft, ob das Ende wieder gemein ist, oder nicht. Ich kann euch beruhigen, denn das Ende ist ziemlich in sich abgeschlossen, sodass man wirklich bis nächstes Jahr Frühling oder Sommer warten kann, bis der zweite Band im Deutschen erscheinen wird. Allerdings freut man sich drauf, wieder in Winter Mill zu versinken...



Bewertung.
Aufmachung: 3,5/5
Idee der Geschichte: 3,5/5
Umsetzung: 3,5/5
Sprache: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Unterhaltungswert: 4/5
Nachdenklichkeit: 2/5
Überraschungseffekte: 3,5/5
Bildungswert: 2/5
Länge/Schnelligkeit: 5/5

Punkte insgesamt: 34/50 

4 Sterne