Donnerstag, 5. Januar 2012


Dich schlafen sehen - Anne-Sophie Brasme

Das Buch ist im Jahre 2003 im Goldmann Verlag erschienen, hat 192 Seiten und kostet 7,90€ als Taschenbuch.

Charlène ist ein ganz normales Kind, doch in der Pubertät, beginnen ihre Probleme. Sie wird zu einem besonders verzweifelten, einsamen Mädchen, das nicht gesehen wird. Doch eines Tages taucht Sarah auf, eine neue Mitschülerin, die alle Blicke auf sich zieht. Dass sich Charlènes Leben an dem Tag für immer verändern wird, als sie Sarahs beste Freundin wird, ahnt sie nicht. Schnell sieht es so aus, als verfolgt Sarah einen irren Plan, der sie für Charlène zur besten Freundin, doch gleichzeitig zur größten Feindin macht. Und Charlène ist diesem Spiel gänzlich ausgeliefert, denn sie mag Sarah zu sehr, um sich von ihr abzuwenden... 

Vorneweg möchte ich gleich sagen, dass ich euch in dieser Zusammenfassung garantiert weniger verrate, als der Klappentext es tut. Da ich den Klappentext natürlich vor dem Buch kannte, war mir bereits klar, wie das Buch enden würde. Bei meiner Zusammenfassung könnt ihr das Ende nicht erahnen und auch keineswegs das, was sonst noch alles auf euch zukommt. Das bedeutet mir schon mal viel, denn das Buch ist spitze. 

Selten habe ich ein so tiefgründiges Werk gelesen, dass einen so mitreißt. Man steigt sogleich in die Gefühlswelt und Situation von Charlène ein und lernt sie kennen. Mit einem vorerst melancholischen Stil, erzählt sie ihre Geschichte. Der Stil bleibt das ganze Buch über erhaben, allerdings gewöhnt man sich schnell daran und nimmt es anders auf, als am Anfang. Denn anfangs wirkte es auf mich persönlich etwas bedrückend. Ansonsten ist der Stil unglaublich reif und spannend. Man will immer mehr und mehr und die Seiten fliegen nur so dahin. Als ich nach dem Buch nun durch Amazon erfuhr, dass die Autorin des Buches erst 16 Jahre als war, als sie es geschrieben hat, war ich hin und weg. 
Wenn ihr Leser seid, die Vorurteile gegen junge Schreiber haben, dann wird euch dieses Buch definitiv ein anderes Bild über uns junge Autoren geben. Denn es ist wirklich ein Meisterwerk, für mich. 

Die Charaktere in diesem Buch wirken mehr als echt. Man spürt Charlènes Gefühle und fühlt sich beim Lesen selbst wie ein Niemand. Anfangs wusste ich nicht, ob das Buch etwas für mich ist, da Charlène eben mit ihrem deprimierten Verhalten nicht hinterm Berg hält. Ich habe selbst eine schlimme Phase hinter mir, in der ich durch Panikattacken auch in Depression und Einsamkeit verfiel. Die Gefühle, die ich beim Lesen empfand, riefen bei mir einfach ein Warnsignal wach. 
Doch natürlich habe ich nicht aufgehört zu lesen. Als Sarah ins Spiel kam, wurde es sogleich noch spannender. Sarah ist eine Person, mit zwei Gesichtern. Sie weiß, wie sie alles bekommt, was sie will. Und diese Macht spielt sie schamlos aus. Ab und an steht man an dem Punkt, wo man nicht mehr recht weiß, ob Sarah wirklich böse ist, oder ob Charlène sich das einfach so auslegt. 

Verwirrung gibt es in diesem Buch also auch, was es noch viel interessanter gestaltet. Viele Leser haben und werden sicherlich noch darüber nachdenken, was in diesem Buch vor sich geht. Es wirkt auf jeden Fall nach und ich bin ebenfalls noch am Überlegen, was ich von den Personen halten soll. Im Endeffekt kann man es sich so zurechtlegen, wie es einem gefällt. 
Das Ende ist, nehme ich an Geschmacksache, aber dennoch bleiben keine wichtigen Fragen offen. Man weiß schon ziemlich zu Anfang, was mit den beiden Hauptpersonen am Ende passiert, weshalb dies nicht noch einmal erwähnt werden muss. Doch dieses ganze Treiben im Buch lässt eine einzige Frage offen, die mich wurmt, und die habe ich schon benannt. Ist Sarah wirklich böse, oder legt sich Charlène das nur zurecht? 
Warum ich darüber nachdenke, werdet ihr auch schnell erfahren, wenn ihr das Buch lest. Im Grunde ist dieses Buch kein Werk, bei dem man ohne Vorwissen rangeht. Der Klappentext hält schon die ganze Story bereit. Doch sobald man es aufklappt und die ersten Zeilen liest, hängt man fest und wird förmlich hineingesogen. 
Ich kann kaum in Worte fassen, wie gut ich dieses Buch fand. Und macht euch wie gesagt keine Sorgen, dass ich euch zu viel verraten habe. Erstens geht es kaum ohne diese Ansätze zu nennen, eine Rezension zu schreiben und andererseits, weiß man sowieso schon auf den ersten Seiten über alles und jeden Bescheid.

Ich wünsche euch einfach viel Spaß mit dem Werk, lasst euch von der Sprachgewalt einer jungen Autorin begeistern. Aber achtet darauf, dass ihr dabei nicht selbst vom Weg abkommt.

*****

1 Kommentar: