Freitag, 16. November 2012


Ein Sommer aus Stahl - Silvia Avallone 



Daten.
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Preis: 19,95€
Seitenzahl: 414 Seiten
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: Mai 2011 
Altersempfehlung: Ab 14
Gekauft: Lovelybooks Leseexemplar 



Und Elba so nah. Nur wenige Kilometer Piombino von der Insel, von der Anna und Francesca immer träumen. Doch sie verbringen ihren Sommer am Strand der Via Stalingrado, zwischen Stahlarbeitern, Staub und Hitze. Sie scheinen glücklich, spielen mit ihrer Schönheit und genießen das Leben. Aber hinter der Fassade geschehen Dinge, die man den beiden Mädchen nicht direkt ansieht. Francesca wird von ihrem Vater misshandelt und ihre beste Freundin Anna und ihre Schönheit sind ihr einziger Halt. Seit Kindertagen sind die beiden Mädchen unzertrennlich. Sie erforschen sich und die Welt und die Jungs um sich herum. Sie lernen Gefühle kennen, mit denen sie nicht gerechnet hätten und leben. Anna und Francesca - für immer zusammen. Bis die Liebe alles verändert. 



Handlung & Stil.
Anfangs hätte ich auf gar keinen Fall erwartet, dass das Buch so viel Gefühl und traurige Überraschungen bereithält. Ich hätte mit einem lockeren Roman gerechnet, der über zwei italienische Mädchen erzählt, die sich in Jungs verlieben und keine Zeit mehr füreinander haben und es irgendwann bereuen. Aber ganz im Gegenteil. Dies ist ein Italien, das man sich als Tourist nicht vorstellt. Die warme Sonne Italiens wirkt in diesem Buch stickig und überdrüssig, sie wirkt hart und die Familien der Via Stalingrado sind keine reichen Leute. Das Leben in dem Viertel erscheint ein wenig trostlos. Annas Vater kümmert sich wenig um die Familie, er ist ein Spieler und die Mutter ist frustriert. Francescas Vater misshandelt sie und ihre Mutter Rosa. Er beobachtet seine Tochter den ganzen Tag mit dem Fernglas und beschimpft sie als Nutte, weil der Bikini verrutscht oder weil sie mit einem Jungen redet. Der Umgangston in der Via Stalingrado ist stets sehr rau. Ich denke nicht, dass man dies mit italienischem Temperament entschuldigen kann. Zeitweise ist es wirklich hart. Kapitel für Kapitel lernt man mehrere Charaktere kennen, die mit den Familien in Verbindung stehen. 
Der Stil ist sehr eigen. Man switcht praktisch immer von einem Charakter zum anderen, oder es wird immer mal wieder erzählt, was der eine gerade tut, während der andere das macht, was er macht. Anfangs braucht man ein wenig Zeit, bis man sich in das Buch hineingefunden hat, aber wenn man mit dem Stil mal zurecht kommt, ist er wirklich sehr schön. Er ist detailreich, man lernt Menschen kennen und ihre Denkweisen, moralische und unmoralische Handlungen, Gefühle. Die Spannung vergeht nicht, der Stil hat etwas bedrückendes an sich, auch wenn es zwischendrin viele aufmunternde Momente gibt. Es ist auch eine Schreibweise, für die man Zeit braucht. Wenn man da mal ein paar Sätze überliest oder nicht aufpasst, weiß man nicht mehr, um wen es gerade ging, weil die Autorin, wie gesagt, auf viele Personen mehr oder weniger gleichzeitig eingeht. 
Dabei werden auch viele Gedanken der Menschen einfach so in den Text geworfen, ohne kursive Schrift oder Anführungszeichen. Manchmal war das etwas verwirrend, aber man gewöhnte sich dran.
Ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob das Buch etwas für die junge Jugend ist. Die Probleme die angesprochen werden, werden auf eine Art und Weise angesprochen, die man erst in einem gewissen Alter auffassen wird. Für das Buch braucht man Lebenserfahrung. Ich würde es selbst höchstens ab fünfzehn empfehlen.

Charaktere & Setting.
Die Charaktere waren allesamt interessant. Jeder hatte so eine gute und eine böse Seite an sich, wie das im wahren Leben auch meist der Fall ist. Es gibt, glaube ich, fast keinen Menschen, der immer nur gute Gedanken oder gute Absichten hat, wenn er etwas sagt oder tut. Jeder hat den Teufel in sich, bei manchen zeigt er sich, bei manchen eben nicht so sehr. In diesem Buch werden die Charaktere mit realistischen und alltäglichen Problemen aufgeführt, was das ganze eben so echt macht. Es gibt viele Personen in dem Buch, aber letztendlich war für mich Anna die Hauptperson des Romans geblieben. Und mit ihr konnte ich mich auch recht gut identifizieren. 
Das Buch zeigt dem Leser auch sehr gut, dass ein Mensch nicht immer das ist, was er vorgibt zu sein. Manche Menschen möchten sich beweisen, manche verstecken sich hinter einer Maske, versuchen etwas zu verbergen, die Glückliche zu spielen, damit keiner hinter die Geheimnisse kommt und entdeckt, wie mies es einem eigentlich geht. Unsicherheit. Ein großes Thema. 
Der Schauplatz ist ohne Frage gut beschrieben. Man konnte die Hitze spüren, das Stahl riechen, die Menschen sehen. Es war unglaublich. Die Autorin hat mit Worten wirklich eine Welt erschaffen. 

Sonstiges.
Wie ihr wohl gemerkt habt, bin ich wirklich angetan von dem Buch. Allerdings hat es mich stets ein wenig bedrückt zurückgelassen. Es war diese Atmosphäre, die mich während des Lesens vollkommen eingehüllt hat. Ich bin froh, das Buch endlich gelesen zu haben, nachdem es ein gutes Jahr bei mir im Regal stand, wenn nicht sogar länger. Ich bin immer wieder begeistert, welche Schätze man außerhalb des Mainstream findet. Ich kann euch das Buch nur empfehlen, wenn ihr bereit seit, euch für einiges an Gefühlen zu öffnen. Es wird weiß Gott nicht immer positiv sein, ihr werdet mitfühlen und vielleicht auch traurig sein. Aber am Ende des Buches, wird es sich irgendwie gelohnt haben. Denn man hat in einer ganz seltsamen Form etwas über das Leben gelernt. Über das Leben und das, was darin am wichtigsten ist.

Die Autorin hat übrigens Philosophie studiert.



Bewertung.
Aufmachung: 3,5/5
Idee der Geschichte: 5/5
Umsetzung: 4,5/5
Sprache: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Unterhaltungswert: 4/5
Nachdenklichkeit: 4,5/5
Überraschungseffekte: 4/5
Bildungswert: 4/5
Länge/Schnelligkeit: 3/5

Punkte insgesamt: 41/50

5 Sterne




Kommentare:

  1. Schöne Ausführliche Rezension :]
    Das Bild was du dazu gemacht hast sieht auch toll aus :))
    Sind diese Schmucklesezeichen eigentlich praktisch oder eher nur Deko ?

    LG Lisa

    ___

    http://www.buecherparadis.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also, ich finde sie praktisch... Da sie in Mengen verkauft werden, vor allem bei ElasBüchertruhe, denke ich, sehen das soweit alle so. (:

      Löschen