Sonntag, 5. Januar 2014

Survive - Alex Morel







Daten.
Verlag: Egmont INK
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 253 Seiten
Genre: Jugenddrama
Format: Gebunden
Altersempfehlung: Ab 14
Erscheinungsdatum: Januar 2013






Handlung & Stil.
Das Buch beginnt damit, dass Jane ein wenig über das Leben in der Klinik erzählt und über ihre Suizidversuche. Man lernt sie kennen, ihr Denken und ihr Handeln. Ich fand das sogleich sehr spannend, weil ich mir sowieso seit geraumer Zeit immer wieder mit der menschlichen Psyche befasse und mir solche Geschichten immer gleich positiv ins Auge springen. 
Überzeugt hat mich zu Anfang gleich der Schreibstil, der einen gewissen Humor beinhaltet, der wahrscheinlich nicht jedem positiv auffallen wird. Jane hat einen speziellen Charakter zu Anfang des Buches und ist von ihren Depressionen gezeichnet. Sie ist eine starke und schwache Person zu gleich und genauso ist sie einem sympathisch und unsympathisch. 
Man lernt sie aber schnell besser kennen und ich persönlich konnte mich auf ihre Seite schlagen. Wahrscheinlich, weil sie sowieso einiges mit mir gemeinsam hat. Jane ist eine Planerin. Spontanität und Entscheidungen nach Gefühl machen ihr Angst. Wenn etwas, das sie nicht unter Kontrolle hat, einen ihrer Pläne durchkreuzt, dreht sie durch. 
Durch meine Panikerkrankung geht es mir ähnlich. Das Planen einer Sache beruhigt mich, weil ich dann genug Zeit habe, mich auf etwas vorzubereiten. Wenn ich spontan etwas entscheiden würde, oder jemand von mir spontan eine Entscheidung verlangt, glaube ich, dass ich über nichts was passiert, die Kontrolle zu haben. Und das ist ein Gefühl, was mir Angst macht.
Allerdings habe ich mit Jane und mit dem Buch auch gelernt, dass man im Leben ohnehin nichts Kontrollieren kann und sich deswegen auf diese Dinge auch nicht konzentrieren sollte. Es ändert nichts, wenn man sich davor fürchtet. 
Somit konnte das Buch mir auch in anderer Hinsicht sehr viel geben und ich fühle mich dadurch sogar in meinen eigenen psychischen Problemen jetzt gestärkt.
Der Schreibstil ist im Grunde einfach zu lesen, hat allerdings trotzdem etwas ganz Eigenes. Vor allen Dingen ist mir das Talent des Autors an Stellen aufgefallen, die extrem spannend oder emotional waren. Es gab eine Stelle am Anfang des Buches, nach dem Absturz, wo Janes Leben am seidenen Faden hängt. Ich war so in dieser Handlung drin, dass ich während dieser Szene wirklich geschwitzt habe. Ich hatte total heiß, mein Magen wurde flau und ich war einfach nur mit den Nerven runter. 
Es gab noch ein paar andere Dinge, die an dem Buch wunderschön waren, die ich zu Lesen wirklich genossen habe. Allerdings hat man auch immer dieses Gefühl im Hinterkopf, dass man einfach nicht weiß, was passiert. Man weiß nie, wie das Buch ausgehen wird, bis zum Ende hin hat man keine Ahnung, in welche Richtung es läuft, weil einfach alles möglich sein könnte. Jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt. Aber auch darüber hinaus, macht man sich so seine Gedanken und Hoffnungen. 
Was mich ebenfalls positiv an diesem Buch schockiert hat, war die Tatsache, dass ich an einer Stelle, an der Janes Körper ziemlich am Limit war, wirklich mitgefühlt habe. Aber nicht in der üblichen Form, dass man einfach Angst hat, was passiert und dass man mitfiebert. Nein, in meinem Kopf fuhr ein richtiger Film ab. Mir war selbst fast ganz schwindelig und es kam mir vor, als würde ich in dem Moment schlafen, träumen und in Janes Körper schlüpfen und ihr Leid empfinden. Mein Kopf dröhnte, mir war irgendwie schwindelig und ich sah alles vor meinem geistigen Auge ablaufen, als wäre es meine eigene Erinnerungen, die abgespielt wird. Das war richtig heftig, aber genau aus diesem Grund, werde ich das Buch nicht so schnell vergessen.
Trotz allem hatte das Buch eine gewisse Grundstimmung, die mir nicht so zugesagt hat. Das Buch war zwar spannend, es hatte ein paar richtig gute Szenen und es konnte mir auch viel geben, aber wenn ich einfach darüber nachdenke, was ich fühle, wenn ich an das Buch denke, dann ist das eher eine Abneigung. Vielleicht war es dieses bedrückende, einfach, weil man so ausweglos vor dem Tod stand und alles so deprimierend war. Trotzdem möchte ich das Buch jedem empfehlen, der sich dafür interessiert.




Charaktere & Schauplatz.
Die Charaktere waren wirklich toll. Jane war ein Mädchen, mit dem ich mich, wie gesagt, sehr identifizieren konnte und die ich gut nachvollziehen konnte. 
Paul, der Junge, der mit ihr den Absturz überlebt, ist ein Charakter, den man erst mal durchblicken muss, bevor man urteilt. Er hat zwei Seiten. Eine harte und eine sensible. 
Was ich richtig gut fand, war, dass beide ihre Geschichte hatten. Beide hatten schon viel erlebt und konnten sich verstehen. Auch wenn sie sich anfangs wirklich nicht wirklich mögen und eine Zusammenarbeit schwierig, aber nun mal dringend erforderlich war, war es interessant, sie zu begleiten und zu sehen, wie sie agieren. 
Der Autor hat sich große Gedanken um das Charakterbild der beiden gemacht, sodass wirklich alles stimmig war. Auch wie sich beide in dem Buch weiterentwickeln und über sich hinauswachsen fand ich wirklich großartig. Allerdings gab es auch einen Punkt, an dem ich dachte: Nein Jane, tu es nicht, wie kannst du so etwas bloß tun! Aber Fakt ist, es ging ums nackte Überleben. In dem Augenblick hatte sie die Wahl: Leben oder Sterben. Damit sollte sich dies in irgendeiner Form entschuldigen lassen. Was das für ein Moment war, sage ich hier natürlich nicht. Aber vielleicht wissen es diejenigen, die mich kennen und die das Buch selbst schon gelesen haben.
Der Schauplatz ist natürlich nichts, was man nicht schon aus Filmen oder Dokumentationen kennt. Überall Schnee und ab und an ein paar Bäume, Felsen und Eis. Allerdings fand ich, dass der Autor das ganze sehr anschaulich gemacht hat. Man konnte sich alles gut vorstellen und eine Verfilmung dessen könnte ich mir wirklich sehr gut ausmalen. Hätte ich die Möglichkeit, würde ich die Filmrechte kaufen und was tolles daraus machen. Oder machen lassen wohl eher, mir fehlt die nötige Bildung dazu. (;




Sonstiges.
Im Fazit kann ich sagen, dass ich es eigentlich so ziemlich jedem empfehlen würde, der mal Lust hat, etwas anderes zu lesen, der Lust auf ein Abenteuer hat, auf ein Buch voller Entscheidungen. Man lernt was für's Leben dazu, man kann sich an Weisheiten bedienen, die während des Lesens entstehen oder vom Autor eingebaut wurden. Bücher, aus denen man selbst etwas lernen kann, ohne genau dies vorzuhaben, sind für mich mitunter die besten, die die Welt zu bieten hat.


Bewertung.
Aufmachung: 4,5/5
Idee der Geschichte: 4/5
Umsetzung: 4/5
Sprache: 3,5/5
Charaktere: 4,5/5
Unterhaltungswert/Spannung: 4/5
Überraschungseffekte/Ideenreichtum: 3,5/5
Nachdenklichkeit: 3/5
Bildungswert: 4/5
Lesetempo: 5/5

Punktzahl insgesamt: 40/50

4 Sterne

Kommentare:

  1. Schöne Rezension :)
    Das Buch steht schon ewig auf meiner WL ;)

    Liebe Grüße,
    Lisa

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  2. habe deine Rezi auch bei YT gesehen und fand sie schon echt gut :) Toll das nochmal auf deinem Blog zu lesen. <3

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